Ukraine - Sanktionen

Baerbock: Steigende Preise, fallende Aktienmärkte

24. Februar 2022 - Von Henrik Paulitz

Es kann sinnvoll sein, Geschehnisse, wie jetzt in der Ukraine, zunächst in nur kleinen Beobachtungen und vorsichtigen Analyse-Schritten zu dechiffrieren. Es kann sinnvoll sein, zunächst auch scheinbare Nebenaspekte aufmerksam in den Blick zu nehmen, und dabei mehr auf die realen Auswirkungen von Maßnahmen zu achten, als auf die offiziell erklärten Motive. Das aktuelle "Statement von Außenministerin Baerbock im Anschluss an die Sitzung des Krisenstabes der Bundesregierung im Auswärtigen Amt zum russischen Angriff auf die Ukraine" bietet Anhaltspunkte, die mit großer Aufmerksamkeit registriert werden sollten.

Immer gleich "das große Ganze" erkennen und durchdringen zu wollen, beginnt und endet meist nur in altbewährten Schubladen der Politikbetrachung: Über allem schwebt dann stets immer nur der vertraute "Ost-West-Konflikt", in dem aus dem Blickwinkel alt-bewährter Sichtweisen täglich neue Geschichten geschrieben werden, um die immergleichen Urteile über Gut und Böse zu fällen.

Die Akademie Bergstraße für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung empfiehlt einen anderen Ansatz, um zu versuchen, das Weltgeschehen zu verstehen:

Deskriptive, ökonomisch-orientierte Friedens- und Konfliktforschung

Basierend auf dem Ansatz einer "deskriptiven, ökonomisch-orientierten Friedens- und Konfliktforschung" kann es zielführend sein, zunächst in sehr kleinteiligen Schritten schlicht aufmerksam zu beobachten, "was geschieht" und wo an anderer Stelle aus scheinbar anderen Gründen vielleicht Ähnliches geschieht.

Solche Beobachtungen müssen und sollen weder etwas abschließend beweisen, noch sollen sie vorschnell Fragen von Verantwortung beantworten.

Solche Beobachtungen können aber, ebenso wie kleine Mosaiksteine, dazu dienen, dass sich beim gedanklichen Zusammensetzen vieler solcher Einzel-Beobachtungen am Ende ein Gesamtbild wie von selbst ergibt ("Mosaik-Beweis").

Auf diese Weise lassen sich gängige "Klischees vom Krieg" in Frage stellen und Hypothesen bilden, was sich möglicherweise tatsächlich hinter Geschehnissen wie jetzt in der Ukraine verbergen mag.

Dies kann von essentieller Bedeutung dafür sein, in Erwägung gezogene, politische Maßnahmen rational und kritisch zu bewerten.

"Massivste" Sanktionen: Steigende Preise und fallende Aktienmärkte ..

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock kündigte am 24. Februar 2022 an, man werde sich "heute im Rahmen der EU, im Rahmen der NATO, im Rahmen der G7 koordinieren. Wir werden das volle Paket mit massivsten Sanktionen gegen Russland auf den Weg bringen."

Dabei wird gar nicht verhehlt, dass sich die Sanktionen zwar förmlich "gegen Russland" richten, doch in Wirklichkeit haben sie massivste Auswirkungen in Russland und in vielen anderen Staaten Europas, in Deutschland und im Rest der Welt:

So erklärte die Außenministerin, an die deutsche Bevölkerung gerichtet:

"Dieser Krieg in unserer direkten Nachbarschaft wird auch für uns in Deutschland Folgen haben. Die Sanktionen gegen Russland, steigende Preise und fallende Aktienmärkte werden auch Rückwirkungen auf Deutschland haben."

.. stehen schon lange auf der Agenda

Diese Folgen – steigende Preise und fallende Aktienmärkte – zeichneten sich auch ohne den Ukrainekonflikt längst ab.

Mehr noch: Steigende Energiepreise sind seit Jahren teilweise erklärte politische Programmatik und viele Finanz-Analysten weisen seit Jahren auf massive Überbewertungen an den Aktienmärkten hin.

Die durch Zentralbanken ausgelöste globale Geldschwemme, wachsende Staatsschulden, weitere geplante Staatsausgaben auf der Grundlage neuer Schulden zur Finanzierung einer "großen Transformation", "Inflationsziele" zur Entlastung der Staatsbudgets zu Lasten derer, die für die Rente sparen und zu Lasten nachfolgender Generationen, die Möglichkeit einer Währungsreform etc. sind seit vielen Jahren Themen, in deren Kontext auch die Erwartung fallender Aktienmärkte stehen.

Die steigenden Preise, insbesondere auch steigende Energiepreise, sind politisch erwünscht. Damit soll weiteres Energiesparen induziert werden, heißt es, obwohl die Bevölkerung kaum noch Mittel und Wege findet, wie sie beispielsweise Erdgas und Heizöl einsparen könnte, und für die propagierten Elektrowärmepumpen sollen zwar künftig Gaskraftwerke betrieben werden, deren Strom zum Heizen aber bei explodierenden Gaspreisen nicht mehr bezahlbar sein wird; abgesehen von dem Problem einer Verknappung von Erdgas, die "dem Publikum" wiederum mit dem Ukraine-Konflikt "erklärt" und als unausweichlich dargestellt werden kann.

Es lohnt also, lediglich als ein Baustein der Betrachtung der erschreckenden Ereignisse in Osteuropa, die offiziellen Begründungen zu hinterfragen, und schlicht und ergreifend zur Kenntnis zu nehmen, dass nun - wie schon lange erwartet - Preise explodieren und Vermögen entwertet werden.


 

Weitere Informationen

Kriegstreiber Energiekonzerne? Energiewirtschaftliche Weichenstellungen im Ukraine-Krieg (2015)

Anleitung gegen den Krieg (2016)

Kriegsmacht Deutschland? Informationen und Handlungsempfehlungen zu brandgefährlichen "Internationalen Erwartungen an Deutschland" (2018)

 

 

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